Kirchenhandy.de

Kirchenhandy.de – so heißt das Projekt des Evangelischen Medienhauses, für das ich in den letzten Wochen und Monaten nebenbei tätig war.

Nun ist es soweit. Am Dienstag den 1.4., pünktlich zu meinem Urlaub, geht die ganze Sache online.

Was wir wollen? Kurz gesagt: Kirchliche Inhalte für das Handy anbieten.
Das ganze ist quasi eine Art „Jamba für Christen“ – allerdings mit etwas anderen Schwerpunkten. Neben einigen Klingeltönen (Kirchenglocke, Gesangbuchliedern) und Videos (Bibelgeschichten von „Hallo Benjamin„) besteht der Großteil des Angebots aus Wallpapern und vor allem MMS. Da kann man sich z.B. Informationen zu einzelnen Stationen des Jakobswegs in Württemberg bestellen (oder auch Quartierlisten von Privatquartieren). Oder per „Bibelgruß“ einen Bibelvers mit passendem Foto zum Weiterverschicken herunterladen.
Unter „Welt der Bibel“ werden biblische Erzählungen mit Bildern der jeweiligen Örtlichkeit und historischen Hintergrundinformationen kombiniert (da schlug die Biblische Archäologie etwas durch).

Es funktionert auch wie bei Jamba: per SMS und Kennwort wird bestellt und dann kommen die Inhalte bzw. können heruntergeladen werden (Achtung: Transportkosten für WAP-Daten kommen zum angezeigten Preis noch dazu).

Ich bin mal gespannt, ob und wie das Angebot ankommt und welche Inhalte am häufigsten abgerufen werden.

PS: Wer theglade.com sehr aufmerksam anschaut, wird feststellen, dass einige Naturfotografie-Bilder verschwunden sind. Das liegt daran, dass die auf kirchenhandy.de jetzt als Wallpaper zum Thema „Schöpfung“ angeboten werden… und da wäre es ja nicht besonders intelligent, die woanders kostenlos ins Netz zu stellen.

Frieden zwischen den Religionen? – Ganz einfach!

Ich habe heute in einem Artikel zu dem umstrittenen Film „Fitna“ eine Diskussion im Spiegel.de-Forum gelesen. Einige der Kommentatoren schweiften im Theme etwas ab und stritten sich über das Verhältnis und den Dialog der drei großen Buchreligionen Judentum, Islam und Christentum.
Dann dieser Ausschnitt aus einem Beitrag:

Zitat:
Juden, Christen und Muslims glauben nicht an denselben Gott

die Juden und die Muslime glauben sehr wohl an einen einzigen Gott. Und da er den Juden durch Abraham, Moses, etc. offenbart wurde und den Muslimen durch Mohammed, auch an denselben Gott.
Nur die Christen glauben dass Jesus=Gott, was allerdings weder die Juden noch die Muslime glauben. Insofern hast Du Recht.

Zitat:
– zahlreiche Wiederholungen dieser Behauptung machen sie nicht richtiger.

um des FRIEDENS unter den Religionen willen solltest Du es auch so sehen. Sollte auch der Vatikan es so sehen. Denn Jesus=Gott ist sowohl für Juden als auch Muslime eine Gotteslästerung. Vielleicht wäre hier eine „Modernisierung“ des Christentums angebracht. In dem Sinne, dass Jesus ein Prophet war, kein Gott. Das reicht doch auch. Dann ist wenigstens unter den drei großen Gott-Religionen Friede.

Ich musste unwillkürlich lachen. Jesus ein Prophet… das reicht doch auch. Damit hätten die Christen sich selbst mal kurz abgeschafft.

Und selbst wenn jemand auf die hirnrissige Idee kommen würde – als ob das so einfach wäre mit der Modernisierung einer Religion. Luther wäre damals dafür fast umgebracht worden und der hat nicht an der Göttlichkeit Christi gerüttelt.

Ach ja. Und dann wäre sicher Friede, weil es nur an den Christen hängt. Die Muslime haben ja nichts gegen die Juden, wie wir alle wissen.

Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich dazu noch sagen soll. Eigentlich ist jeder Kommentar überflüssig.
Erschreckend ist es trotzdem.

Der Papst und die Judenmission

Zum Streit um die Karfreitagsbitte des Papstes (Spiegel.de: Zentralrat der Juden will nicht mehr mit katholischer Kirche reden) hier ein Artikel von Kath.net (Weltbekannter Rabbi nimmt Papst gegen Kritik in Schutz) mit einem kompletten Auszug der Ausführungen von Jacob Neusner.

Hier einige wichtigen Passagen:

Die Anhaltspunkte für die Theologie des Judentums gegenüber den Nichtjuden möchte ich aus dem normalen Gottesdienst in der Synagoge ableiten, der dreimal am Tag abgehalten wird.

[…]

Dieser Text ist für alle Gottesdienste des Judentums einheitlich. In ihm dankt das heilige Volk Israel (nicht zu verwechseln mit dem Staat Israel) Gott dafür, dass er Israel von anderen Völkern unterscheidet. Im Gebet bittet das heilige Israel darum, dass die Welt vervollkommnet wird, wenn die gesamte Menschheit den Namen Gottes anruft und weiß, dass jeder vor Gott sein Knie beugen muss.

[…]

Dieses Gebet für die Bekehrung „aller Gottlosen auf der Erde“, die „alle Bewohner der Erde“ sind, wird im normalen Judentum nicht einmal im Jahr, sondern jeden Tag gesprochen. Es findet seine Entsprechung in der Passage des Gebets der achtzehn Benediktionen, in der Gott gebeten wird, „die Herrschaft des Hochmuts“ zu unterbinden.

Judenmission ist tatsächlich ein kritisches Thema, aber ich finde, die Bitte darum, dass alle Völker (und damit auch die Juden) Jesus Christus als ihren Heiland erkennen, muss für Christen erlaubt sein.
Schließlich ist die Karfreitagsbitte ein Gebet an Gott und drückt einen Wunsch aus und bedeutet nicht automatisch, dass jeder Christ nun „plötzlich“ versuchen muss, alle (Juden) um sich herum zu bekehren.

Update

Nachdem es mehrfach Beschwerden hagelte, ich würde gar nix mehr reinschreiben:

  • Ich bin noch immer in Wuppertal, inzwischen die dritte und letzte Woche.
  • Für unseren Vikarskurs habe ich ein Forum eingerichtet, in dem wir unsere Predigten etc. austauschen können. Das hat Homepage-Resourcen gebraucht (und in der Zeit konnte ich nichts anderes machen).
  • Gestern war bei uns in Rees Presbyteriumswahl, außerdem habe ich gepredigt.
  • Nachdem Zeus in der Winterstarre zuviel abgenommen hat, musste ich ihn gestern aus dem Kühlschrenk holen und ins Terrarium setzen. (Dem Wetter nach könnte er auch bald raus).
  • Das Projekt, für das ich (auch offiziell) nebenher arbeite, geht demnächst online – ich werde euch über Neuerungen auf dem Laufenden halten.
  • Wir begrüßen in unserer Mitte das erste geborene Mitglied der Zosse-Posse: Julia Katharina (Zeichnung folgt demächst, Figur ist bereits vorhanden).

Das wars, sind damit alle zufrieden?

Soll man Nokia boykottieren?

Die Politiker machen es vor (Spiegel.de):

SPD-Fraktionschef Peter Struck treibt es mit den symbolischen Gesten auf die Spitze und hat laut „Bild“ sein Nokia-Handy abgeschafft. „Was Nokia in Bochum vorhat, ist eine Riesensauerei. Ich habe heute mein Büro gebeten, mir ein anderes Handy zu besorgen“, sagte Struck dem Blatt zufolge. Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) lasse sogar prüfen, ob ein Nokia-Boykott des gesamten Ministeriums zulässig ist. „Ich habe den Leiter unserer Zentralabteilung angewiesen, zu schauen, ob und unter welchen Bedingungen wir bei Nokia aussteigen können.“

Mal abgesehen davon, dass die paar weniger Handys Nokia kaum jucken können – es ist dennoch eine starke symbolische Geste. Aber ist sie auch sinnvoll? Meines Erachtens nur, wenn Nokia tatsächlich eine „Subventionsheuschrecke“ ist. Aber das ist offensichtlich nicht klar, das Wirtschaftsministerium mahnt zu Sachlichkeit.

Ich habe noch nie ein Nokia-Handy besessen, und werde mir vermutlich auch keines kaufen. Ich boykottiere also quasi mit.

Meine Frage ist jedoch in der Tat, ob ein Boykottaufruf tatsächlich gerechtfertigt wäre.

Der noch größere Lauschangriff

Bei Spiegel.de („Schäuble will weitere Lockerungen„) heute gesehen:

Abgeordnete, Strafverteidiger und Geistliche sollen künftig vor Abhörmaßnahmen des BKA nicht mehr absolut geschützt sein. In den jüngsten Entwurf des neuen BKA-Gesetzes ist der Abhörschutz weiter eingeschränkt worden, bestätigte das Bundesinnenministerium.

[…]

Demnach sollen im Einzelfall auch Telefone und Räume bislang besonders geschützter Berufsgruppen abgehört werden können […]

Was soll man dazu noch sagen?
Wann wird endlich die Gedankenlesmaschine erfunden, dann könnte Schäuble sogar noch in die Köpfe der Menschen sehen. Dann wäre er vielleicht zufrieden…

Der Wasserhahn des Lebens

Heute mal was ganz besonderes. Beim Stöbern im Internet bin ich auf ein tolles Tool gestoßen, mit dem man schöne Animationen mit Strichmännchen machen kann.

Ich habe natürlich sofort ein Video erstellt und dabei sogar noch inhaltlich etwas sinnvolles fertiggebracht: eine Darstellung verschiedener Frömmigkeitsstile in ihrem Umgang mit der Welt (versinnbildlicht durch einen kaputten Wasserhahn) – lasst Euch überraschen.

[MEDIA=13]

Benutzt wurden (außer diversen Grafik-, Video- und Soundbearbeitern) vor allem der Pivot Stickfinger Animator und BMP zu AVI .
Die Sounds sind (fast) alle selbstgemacht.

Hinweis: Inzwischen auch auf Youtube (zum Einbinden in Blogs etc.)

Religionswissenschaft durch die Blume

Gerade gefunden und hochinteressant: Die Homepage von Dr. Michael Blume und das dazugehörige Blog Dr. Blume.

Eine richtige Fundgrube zu allen möglichen religionswissenschaftlichen Themen, spannend fand ich z.B. die Rubrik „Kult-Filme„.
Allerdings braucht man um alles zu lesen vermutlich eine halbe Ewigkeit, in einem Jahr hat Dr. Blume so einiges zusammengebloggt.

Kirche für morgen und die Pfarrstellenbesetzung

Da ich auf einen Kommentar von Friedemann Stöffler zum Programm der Synodal-Gruppierung „Kirche für morgen“ umfangreicher antworten wollte, hier ein extra Beitrag:

1. Pfarrerwahl durch Gemeinden

Die Pfarrerwahl durch die Gemeinde löst nicht alle Probleme vor Ort, aber es ist ein ganz wichtiges Symbol, dass einzelne Gemeindeglieder und Kirchengemeinderäte wirklich ernst genommen werden.

Ich verstehe das Problem glaube ich nicht. Laut Kirchengesetz hat doch die Gemeinde (bzw. das Wahlgremium) sowohl beim Wahlverfahren als auch beim Benennungsverfahren das Recht, einen Kandidaten abzulehnen. Knackpunkt ist nur, dass die Bewerbunger durch die Bewerbung beim OKR und nicht bei der Gemeinde quasi „vorsortiert“ werden.
Das liegt unter anderem an §2 des Gesetzes zur Besetzung von Pfarrstellen:

(1) Bei der Besetzung sind die Belange der Gemeinde, des Kirchenbezirks, der Landeskirche und der Pfarrerinnen und Pfarrer zu berücksichtigen.

Ich glaube nicht, dass es bei der Vorauswahl der Pfarrer um Machtspielchen wie Bestrafung o.ä. geht, bzw. darum, dass gewisse Pfarrer gewissen Stellen vorenthalten werden. Aber natürlich hat der OKR den besseren Überblick und eine Gemeinde weiß nicht (und kann auch gar nicht wissen) womit der Bewerber u.U. Probleme hat etc. Die Bewerber werden schließlich seit dem Studium begleitet und „begutachtet“ und natürlich ist es dann angemessen, sich ein Urteil zu erlauben und bestimmte Leute für bestimmte Stellen für besser oder weniger geeignet zu erachten.

Als angehender Pfarrer habe ich mit der momentanen Vorgehensweise keinerlei Probleme (obwohl sie viel stärker die Pfarrer benachteiligt als die Gemeinden).

2. Autonomie und Vernetzung

Wir sind nicht für autonome Gemeinden. Es bedarf einer Vernetzung und vor allem auch Beratung durch kirchenleitende Stellen, aber diese Vernetzung muss nicht zwingend durch hierarchische Strukturen geleistet werden.

Ein schöner Gedanke, aber wie soll das funktionieren? Hier auf Erden zumindest tut es das nicht. Unsere evangelische Kirche ist eine Vernetzung von Gemeinden. Aber so eine Vernetzung funktioniert nicht ohne eine übergeordnete Struktur, die auch hierarchisch ist. Und wenn es sich dabei nur um eine Bezirkssynode handelt, sobald diese eine für Gemeinden verbindliche Entscheidungen fällt, haben wir eine Hierarchie.
„Kirchenleitende Stellen“, die aber nur beraten und nicht leiten dürfen… ist das nicht ein Widerspruch in sich?

3. Zentrale Anstellung

Nun, ob die zentrale Anstellung wirklich die Lösung ist, da bin ich mir ehrlich gesagt nicht sicher […]

Man muss sich klarmachen, dass es neben den offensichtlichen Problemen mit dem „Machtanspruch“ des OKR noch ein ganz anderes Problemfeld im Zusammenhang mit der Zentralisierung gibt.
In meiner momentanen Landeskirche hat die Gemeinde sehr viel mehr Rechte als in Württemberg. Das hat durchaus auch Nachteile. Zum Beispiel gibt es zur Zeit ziemlich Ärger mit der Beurteilung der Pfarrhäuser durch das Finanzamt wegen der Steuern. Aufgrund des presbyterialen Systems ist dafür laut Landeskirchenamt die jeweilige Gemeinde zuständig, wenn das Finanzamt (unberechtigt) Nachforderungen verlangt. Während andere Landeskirchen das Problem zentral im Rahmen der Fürsorgepflicht für alle Pfarrer zusammen regelten, muss hier jeder Pfarrer und jede Gemeinde für sich die Sache klären (im Notfall vor Gericht).
Das ist ein Arbeitsaufwand erheblichen Ausmaßes, nicht nur für die Pfarrer sondern auch z.T. für die Gemeinden. Und wer eine fitte Gemeinde hat, kriegt gute Konditionen und wer keine Ahnung hat, kriegt schlechte.
Es ist aber nicht die Aufgabe der Pfarrer, sich in Steuerrecht gut auszukennen oder ständig Finanzprobleme zu wälzen.

Ich hoffe, es ist klar, was ich damit sagen will. Einerseits beschwert man sich, dass in den Gemeinderäten und auch von den Pfarrern so wenig inhaltlich gearbeitet wird und die Verwaltung einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Andererseits sollen aber die Gemeinden noch mehr Rechte verwaltungstechnischer Art bekommen – was jedoch auch mit Pflichten und Arbeit verbunden ist. Das zu trennen ist eine Illusion. Ob es wirklich für die Gemeinde besser ist, wenn die Auswahl der Kandidaten direkt vor Ort erfolgt (mit u.U. zweistelligen Bewerberzahlen)? Was ist denn die Folge? Bewerbungsverfahren, die sich endlos hinziehen, Gemeinden, in denen für inhaltliche Arbeit und geistliches Leben nur noch wenig Platz ist, weil man monatelang nur Pfarrstellenbewerber begutachtet und sich um Verwaltungsarbeit kümmern muss.

Sieht denn niemand, dass die Lösung mit Wahl- und Benennungsverfahren durch den OKR für die Gemeinden und Gemeinderäte auch eine Entlastung darstellt? Dass dadurch die Vorauswahl von Leuten getroffen wird, die sich damit auskennen und dass trotzdem die Belange der Gemeinde auch in diesem Teil des Besetzungsverfahrens schon (s.o.) in den Blick genommen werden?
Wer sagt denn, das die Gemeindeglieder und Kirchengemeinderäte in diesem Fall nicht eben doch ernst genommen werden?

What would Mohammed do?

Im Zusammenhang mit dem Teddy Mohammed (Spiegel.de: Tausende Demonstranten fordern Todesstrafe für britische Lehrerin) frage ich mich, was der Prophet selbst wohl zu diesem Thema sagen würde.

Ich habe in den Hadith-Erzählungen folgende Sprüche gefunden, die dem Propheten zugeschrieben werden.

Gott liebt die Milde in jeder Angelegenheit.

Bukhari

Gott ist sanftmütig, und er liebt die Sanftmut, und er belohnt sie mit dem, was er der Gewalt nicht gibt.

Muslim

Ich weiß, das ist sehr selektiv. Aber er stimmt trotzdem.

Alltag eines Vikars

Heute in der Dönerbude meines Vertrauens:

Ich komme zur Türe herein, der Besitzer direkt: „Du kommst gerade richtig! Du bist doch Pfarrer…“
Ich: „Ja, und?“
Dönermann: „Ich hab da was gefunden auf meinem Dachboden, da hat irgendjemand Bücher hingelegt und ein Bild und Kerzen und so… Ich weiß nicht was das ist, ich will den Scheiß da nicht haben!“
Kumpel von Dönermann: „Das sind sicher Teufelsanbeter!“
Dönermann: „Keine Ahnung! Ich will den Scheiß nicht…“
Ich: „Ich hätte gern nen Dönerteller mit Pommes…“
Dönermann: „Kriegste gleich! Komm mal mit, schau dir das mal an und nimm das Zeug am Besten mit.“
Gesagt, getan. Er schließt den Laden (!) und wir gehen auf den Dachboden. Dort steht ein altes Engelsgemälde in der Ecke, davor ein paar Weihnachtskrippen-Figuren und eine Reihe fein säuberliche aufgereihter Gebetsbücher (katholisch, wohlgemerkt).
Ich: „Naja, sieht nicht so furchtbar aus…“
Kumpel von Dönermann: „Das sind doch irgendwelche Kinder, die das machen!“
Dönermann: „Ist das nicht schlimm?“
Ich: „Ne… solange du darauf achtest, dass keine Kerzen da sind und die dir nicht die Bude abfackeln… Schlimm ist das jedenfalls nicht.“
Dönermann: „Alles klar… gut.“

Und dann bekam ich auch meinen Dönerteller :-)

Das Toleranz-Dilemma

Was hoaßt denn Toleranz? Toleranz des hoaßt nämlich, wenn man’s übersetzt ins Deutsche, soviel wie „tolerieren“. Des ist soviel wie „etwas ertragen“, „etwas aushalten“ – des hoaßt des!
Des kommt daher, wenn se früher einen Menschen gefoltert ham, und der hats überlebt – dann war der tolerant!

[…]

Nur ein Rindviech ist nur tolerant! Man muss doch en Standpunkt ham! Des gibts jo ned!

Gerhard Polt

Anlässlich eines Telefonats mit Armin habe ich ein wenig über das Thema Toleranz nachgedacht. Ich verweise hierzu auch auf einen älteren Beitrag sowie auf Armins Kommentar zur Kirchenwahl.

Es gibt immer ein Dilemma, sobald eine Pro-Toleranz-Gruppe (T) auf eine Intolerante Gruppe (I) trifft. Es bestehen dann nämlich genau zwei Handlungsmöglichkeiten:
Entweder T akzeptiert, dass die andere Gruppe intolerant ist oder T wirft I die Intoleranz vor.

Bei beiden Möglichkeiten entsteht ein Dilemma.

  1. Akzeptiert T die Intoleranz von I, ist sie zwar selbst tolerant, wendet sich aber dennoch gegen ihre eigenes Programm, da sie Intoleranz implizit gutheißt.
  2. Spricht sie sich gegen I aus, steht T zur eigenen Maxime, handelt aber nicht danach, da sie ja die Haltung von Gruppe I nicht toleriert.

Dieses stark schematische Beispiel greift fast immer und man kann regelmäßig in verschiedenen Fällen beobachten, wie mal nach 1. und mal nach 2. gehandelt wird, wobei die Entscheidung dabei vom Toleranz-Verständnis und von der eigenen Überzeugung abhängt.

Eine Gruppe, die wenig oder nicht zu eigenen Überzeugungen steht, wird immer zu 1. tendieren. Hintergrund ist dann ein falsches Toleranzverständnis bzw eine Angst vor eigener Intoleranz. Deutsche neigen besonders im Zusammenhang mit Zugeständnissen an Angehörige andere Nationalitäten oder Religionen dazu, wobei hier auch die Angst vor dem Nazi-Vorwurf eine große Rolle spielt.

Jemand mit einer Überzeugung stößt irgendwann an eine Grenze, über die er nicht hinwegkann und landet dann bei 2. Dies ist z.B. die notwendige Haltung in einer toleranten Gesellschaft, die sich selbst schützen und erhalten möchte. Denn Toleranz gegenüber einer zerstörerischen Intoleranz führt zur Zerstörung der Toleranz selbst.
Allerdings muss hierbei auch gesagt werden, dass bei einer zu niedrigen Grenze die Toleranz durch solches Verhalten ebenfalls bedroht ist.

Je länger ich also überlege, um so deutlicher wird mir, dass das Dilemma nicht aufzulösen ist, sondern ein notwendiges Mittelmaß zwischen 1. und 2. gefunden werden muss. Progressive politische und religiöse Gruppen sollten sich dabei eher Richtung 2. orientieren, da diese eher zu einer Übertoleranz neigen. Konservative, deren Toleranzgrenze wesentlich niedriger ist, sollten sich an 1. orientieren.

Eine bessere Lösung habe ich leider nicht…

Treibjagd in Brandenburg oder Reaktionen auf Kirche

Am Wochenende war ich mit Lena in Brandenburg, weil die alljährliche Treibjagd mal wieder anstand. Dieses Mal wurde tatsächlich sogar etwas geschossen: Ein Reh (von Christian). Wenn man bedenkt, dass es ca. 25 Jäger waren und es auch einiges an Wild gab, ist das ein recht schlechter Schnitt.

Abends saßen wir dann wieder zusammen beim Schüsseltreiben, mit uns drei (relativ) Jungen saßen nur noch etwas ältere Herren am Tisch. Nach einigen Runden Bier und Schnaps wurden diese immer lustiger und fingen irgendwann an, Witze zu erzählen. Ziemlich schnell wurden dann nur noch Witze über Pfarrer gemacht, was bei Christian und Stefan zu einem Dauergrinsen führte. Ich sagte ihnen, dass wir jetzt noch ein bißchen abwarten und ich mich dann oute. Wir freuten uns alle drei auf die Gesichter.

Irgendwann war es dann soweit, ich outete mich als angehender Pfarrer. Sofort spaltete sich die
Gruppe in zwei Lager:

  • Die erste Gruppe (mit mehr Promille) machte munter mit Pfarrerwitzen weiter. Und weil man grad mal jemanden von der Kirche zur Hand hat, wurde auch noch großartig über Kirche allgemein geschimpft und den Papst und was sonst noch alles dazu gehört.
  • Die zweite Gruppe versuchte zu beschwichtigen. „Die haben alle zuviel getrunken!“ und „Sie machen das sicher alles ganz richtig, so wie ich Sie einschätze!“ waren häufige Sätze.

Ich fand das alles total witzig, weil es so typisch war. Ähnliches ist mir schon im Theologiestudium passiert und findet in ähnlicher Form fast immer statt, besonders die Aufteilung der Gruppe ist fast schon klassisch.
Ich muss jedoch gestehen, dass ich es den Herren auch sehr schwer gemacht habe, mich frühzeitig zu erkennen – schließlich habe ich selbst auch ein paar Pfarrerwitze erzählt!

Friedensdorf

In der Wochenend-Pause des Seelsorge I – Kurses in Wuppertal sollte ich eigentlich komplett frei haben. Allerdings habe ich mich dann doch entschieden, zumindest am Samstag an der Konfirmandenfreizeit in Oberhausen teilzunehmen, die im dortigen Internationalen Friedensdorf stattfindet.

Ich wollte die Arbeit dort einfach mal kennenlernen und es hat sich gelohnt. Wirklich toll, was die Leute da auf die Beine gestellt haben.