„Das Sakrileg“ oder der Umgang mit Kritik

Mittwoch, 17. Mai 2006 von Tobias

Der Film läuft am Donnerstag an und alle Welt redet sich den Mund darüber fusselig. Soweit ich gehört habe, ist der Film längst nicht so gut wie das Buch und auch ansonsten eher schlecht (sagten die in Cannes zumindest). Heute habe ich allerdings schon wieder einen dreiseitigen Bericht in IDEA gelesen, wo wieder jeder einzelne der „Anschuldigungspunkte“ auseinandergenommen wurde. Mal abgesehen davon, dass ich es für völlig irrelevant für Christologie, Soteriologie und Eschatologie halte, ob Jesus nun Kinder hatte oder nicht – soooo neu ist das als Thema im Kinofilm nicht. Ich darf hier an den derb schwarzhumorigen Film „Dogma“ erinnern, in dem ebenfalls der „letzte Nachkomme“ (auch eine Frau!) Jesu Christi auftaucht. Darüber habe ich allerdings noch NIE irgendwo was gelesen… Wenn die katholische Kirche sich nicht so über Sakrileg aufregen würde, würden sich für den Film kaum Leute interessieren, aber so… Selbst schuld!
IDEA zieht wenigstens den vernünftigen Schluss, dass der Film immerhin Anlaß gibt, über Inhalte des Christentums zu reden. Und das mit Leuten, die das ansonsten sicherlich niemals tun würden. Ich werde mir den Film auf jeden Fall anschauen, egal ob die Christen in Indien zum Boykott aufrufen.

Zum Thema Film noch was: Ich habe heute „Königreich der Himmel“ angeschaut, den Film über die Kreuzzüge. Ich fand ihn gut, unter anderem war aber auch in diesem Film eine Kritik an der Kirche nicht von der Hand zu weisen. Was heißt Kritik an der Kirche – Kritik an Religion überhaupt und an den Absolutheitsansprüchen von Juden, Christen und Muslimen auf Zion/Jerusalem/al-Quds als ihre Heilige Stätte. Der beste Dialog fand am Schluss statt, als Saladin mit dem Helden über die Übergabe Jerusalems verhandelte.

„Ich brenne Jerusalem nieder mit allen heiligen Stätten!“

Saladin: „Ich frage mich, ob das nicht das Beste wäre…“

Und etwas später, die beste Antwort auf den Grund für die Streitereien um Jerusalem, die ich je gehört habe:

„Was ist Jerusalem wert?“

Saladin: „Nichts….“ und nach ein paar Schritten „Alles!“

3 Reaktionen zu “„Das Sakrileg“ oder der Umgang mit Kritik”

  1. Tim

    1) zum Sakrileg: Warum regt sich eigentlich alles darüber auf das Jesus Kinder hatte (Ich sach nur: „Das Wort breitete sich aus“ [VL hist. Jesus]) und nicht darüber, dass davon die französischen Könige abstammen. Die Franzosen, ich möcht doch sehr bitten!!!
    2) zum Königreich der Himmel: Sehr nett der Film. Aber zum Religiösen muss ich doch noch mal was loswerden: Die friedlichsten sind die armen Moslems, die von den bösen Christen verfolgt werden. Immer diese Kreuzzugthese: Die bösen Christen, die armen Muslime. Die Moslems haben natürlich den gesamten Mittelmeerraum ohne Gewalt erobert. Nur Christen sind brutal. Darüber könnnte sich mal jemand kirchlicherseits aufregen!
    Und mein Lieblingszitat:
    „ich bin nur ein Schmied“
    „Ja, und ich bin der König von England“

  2. Tobias

    Und dann kommt nochmal „ich bin nur ein Schmied“!
    Ich habe nie behauptet, dass nur Christen brutal sind und die Eroberung der Muslime friedlich von statten ging. Man kann vermutlich von keiner damaligen Macht behaupten, sie wäre mehr oder weniger brutal gewesen als die anderen.
    Man muss sich aber vergegenwärtigen, dass die islamische Welt während des Mittelalters wesentlich fortschrittlicher (Medizin, griechische Philosophie, Wissenschaft etc) war als das Abendland. Irgendwann kam dann allerdings ein Bruch, der mit einer Art Rückschritt verbunden war, ich weiß nur nicht mehr warum…

  3. Tim

    Ja, ja, ich wollte auch keineswegs behaupten du würdest so etwas vertreten, aber die These taucht so gerne auf, wenn es um die Frage geht.
    Schuld an der Rückentwicklung waren glaub ich die Osmanen, die ab dem 14. Jh. die Geschicke bestimmten.

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