{"id":269,"date":"2006-12-02T10:48:31","date_gmt":"2006-12-02T08:48:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theglade.com\/toleblog\/?p=269"},"modified":"2006-12-02T10:54:15","modified_gmt":"2006-12-02T08:54:15","slug":"gut-gemeint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theglade.com\/toleblog\/?p=269","title":{"rendered":"Gut gemeint&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem nun sowohl <a href=\"http:\/\/www.blog.nordelbien.de\/bmhaese\/archive\/2006\/11\/30\/wbeum402zjfu.htm\">Bernd-Michael Haese<\/a> als auch <a href=\"http:\/\/www.annonuem.de\/wordpress\/theologie\/2006-11-29\/derdiedaswerwiewas\">Tim<\/a> einen Beitrag zur Bibel in gerechter Sprache verfasst haben, m\u00f6chte ich nun auch noch meinen Senf dazugeben. Beide verweisen auf einen <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/2006\/11\/18\/li\/articleEBIFU.print.html\">Artikel von Ingolf U. Dalferth in der NZZ<\/a>, in dem er aus wissenschaftlicher Sicht diese neue \u00dcbersetzung kritisiert. Er schreibt dort unter anderem<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Nur wer die Texte gegen die eigenen und fremden Vorurteile zum Zug kommen l\u00e4sst, ist ihrem Sinn auf der Spur. Dazu bedarf es philologischer und theologischer Textkompetenz, die in Schule und Studium zu erwerben war. Das wurde zum Markenzeichen protestantischer Kirchen und Kultur, auch in Z\u00fcrich. Die Z\u00fcrcher Bibel mit ihrer p\u00fcnktlichen Beachtung der wissenschaftlichen Arbeit an den hebr\u00e4ischen und griechischen Grundtexten belegt das bis heute. Wer kritisch lesen will, muss den Text stark machen.<\/p>\n<p>Ganz anders diese Neu\u00fcbersetzung, die nicht richtig, sondern \u00abgerecht\u00bb zu \u00fcbersetzen beansprucht. Sie traut den Lesern gar nichts zu, sondern schreibt ihnen unabl\u00e4ssig vor, wie sie verstehen sollen, was sie lesen. Gewiss, \u00dcbersetzen ist eine schwierige Kunst. Aber Kunst ist auch \u00abdas Gegenteil von ?gut gemeint?\u00bb, wie Gottfried Benn lakonisch notierte. Gut gemeint ist die \u00abBibel in gerechter Sprache\u00bb zweifellos. Keinen Augenblick wird man \u00fcber die \u00dcberzeugungen der \u00dcbersetzerinnen und \u00dcbersetzer im Unklaren belassen, doch ob man auch das Zeugnis der biblischen Texte vernimmt oder liest, was in den hebr\u00e4ischen und griechischen Originaltexten steht, weiss man nie.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eigentlich gibt es viel mehr auch nicht dazu zu sagen. Ich habe selbst vor einigen Wochen das zweifelhafte Vergn\u00fcgen gehabt, mal in diese &#8222;\u00dcbersetzung&#8220; reinzuschauen. Mir fielen auch sofort die Punkte auf, die Dalferth anf\u00fchrt:<\/p>\n<blockquote><p>Ohne R\u00fccksicht auf historische Realit\u00e4ten gibt es jetzt \u00abHirten und Hirtinnen\u00bb, \u00abVerwalter und Verwalterinnen\u00bb, \u00abPharis\u00e4erinnen und Pharis\u00e4er\u00bb, \u00abZ\u00f6llnerinnen und Z\u00f6llner\u00bb.<br \/>\n[..]<br \/>\nDie Apostelgeschichte wird unter Berufung auf R\u00f6mer 16, 7 zur \u00abZeit der Apostelinnen und Apostel\u00bb, obwohl das Buch selbst neben den Zw\u00f6lfen nur Paulus und Barnabas als Apostel bezeichnet.<br \/>\n[..]<br \/>\nDer Heilige Geist wird zur \u00abheiligen Geisteskraft\u00bb, Jesus vom Sohn zum neutralen \u00abKind Gottes\u00bb. Lehrte er seine J\u00fcnger bis anhin, \u00abUnser Vater im Himmel\u00bb zu beten, so fordert er jetzt die \u00abT\u00f6chter und S\u00f6hne Gottes, eures Vaters und eurer Mutter im Himmel\u00bb, auf, zu Gott, dem Vater und der Mutter im Himmel, zu rufen (Mt 6, 9).<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend man \u00fcber so viel Geschlechtergerechtigkeit fast schmunzeln kann, gibt es jedoch auch theologisch problematische Stellen:<\/p>\n<blockquote><p>In den sogenannten Antithesen der Bergpredigt etwa setzt Jesus nicht mehr sein \u00abIch aber sage euch\u00bb der Tora-\u00dcberlieferung entgegen, sondern macht nur noch einen freundlichen Auslegungsvorschlag: \u00abIhr habt geh\u00f6rt, dass Gott gesagt hat: Du sollst nicht ehebrechen. Ich lege euch das heute so aus: . . .\u00bb (Mt 5, 27f). Heute so und morgen anders. Nur eines darf es auf keinen Fall geben: einen wirklichen Widerspruch zwischen Tora und Jesu Lehre. Der Antijudaismus-Vorwurf an Jesus w\u00e4re sonst nicht zu vermeiden.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch die \u00dcbersetzung des &#8222;Logos&#8220; aus dem Johannesprolog mit &#8222;die Weisheit&#8220; schie\u00dft \u00fcbers Ziel hinaus, was auch unser NT-Prof im Johannesseminar feststellte.<br \/>\nBeim Thema Antijudaismus sind die Verfasser richtig hart:<\/p>\n<blockquote><p>Weil die Rede vom Ende Israels tabu ist, darf Amos nicht mehr sagen \u00abReif zum Ende ist mein Volk Israel\u00bb (Am 8, 2), sondern nur noch \u00abReif ist mein Volk Israel\u00bb.<br \/>\n[..]<br \/>\nSchon die Rede vom Ende Israels aber scheint den Neu\u00fcbersetzern verd\u00e4chtig, und so wird der Text gegen seine ausdr\u00fcckliche Aussage entsch\u00e4rft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dalferth kommt zum Schluss<\/p>\n<blockquote><p>Ihre \u00dcbersetzung dagegen ist nicht nur hermeneutisch einseitig, sondern an vielen Stellen philologisch unzuverl\u00e4ssig, historisch irref\u00fchrend und theologisch konfus. Philologisch, historisch und theologisch ist diese \u00dcbersetzung unbrauchbar.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun kann man ja grunds\u00e4tzlich sagen, dass jede \u00dcbersetzung bereits Interpretation ist und damit den urspr\u00fcnglichen Sinn verf\u00e4lscht. Es ist ja auch das gute Recht des Verfasserkreises, diese \u00dcbersetzung zu machen. Es ist nur schlichtweg untragbar, dass diese \u00dcbersetzung nun als <b>die<\/b> \u00dcbersetzung schlechthin bezeichnet wird und den Anspruch hat, <b>richtig<\/b>, auch im wissenschaftlichen Sinne, zu sein. Dass dies nicht so ist, sollte der Artikel gezeigt haben.<\/p>\n<p>Mir pers\u00f6nlich fiel zur Genderproblematik noch ein lustiges Detail auf. Ich habe eine Vielzahl der Stellen durchgeschaut, in denen der Teufel und die D\u00e4monen auftauchen &#8211; und sie sind immer m\u00e4nnlich. Es ist nirgends von &#8222;D\u00e4moninnen und D\u00e4monen&#8220; die Rede und in der Versuchungserz\u00e4hlung hei\u00dft es immer nur &#8222;der Verf\u00fchrer&#8220; und nie &#8222;die Verf\u00fchrerin&#8220;. Das war den Verfassern wohl dann doch zuviel des Guten. Ich frage mich da: ist das gerecht? Wohl kaum&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem nun sowohl Bernd-Michael Haese als auch Tim einen Beitrag zur Bibel in gerechter Sprache verfasst haben, m\u00f6chte ich nun auch noch meinen Senf dazugeben. Beide verweisen auf einen Artikel von Ingolf U. Dalferth in der NZZ, in dem er aus wissenschaftlicher Sicht diese neue \u00dcbersetzung kritisiert. 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