{"id":2210,"date":"2019-09-13T19:41:36","date_gmt":"2019-09-13T17:41:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theglade.com\/toleblog\/?p=2210"},"modified":"2021-11-13T12:45:09","modified_gmt":"2021-11-13T10:45:09","slug":"der-generationenkonflikt-ueber-den-kaum-jemand-spricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theglade.com\/toleblog\/?p=2210","title":{"rendered":"Der Generationenkonflikt, \u00fcber den kaum jemand spricht*"},"content":{"rendered":"<p>In meiner Weiterbildung zum Gemeindeberater und Organisationsentwickler habe ich vor kurzem im Rheinland ein Modul zur Personalentwicklung belegt. W\u00e4hrend des Kurses haben wir uns mit Personalmanagement besch\u00e4ftigt und dabei auch \u00fcber die sogenannte \u201eGeneration Y\u201c gesprochen \u2013 dar\u00fcber, wie sie sich selbst sieht und wie sie von den \u00c4lteren gesehen wird. F\u00fcr mich, der ich so in etwa am Scharnier zwischen Generation X\/Golf und Generation Y geboren bin, war das sehr spannend.<\/p>\n<p>Dabei wurde mir auch durch die Gespr\u00e4che mit j\u00fcngeren und \u00e4lteren KollegInnen aus ganz unterschiedlichen Landeskirchen deutlich, dass wir einen unterschwelligen Generationenkonflikt in der Pfarrerschaft haben, \u00fcber den aber kaum jemand offen spricht.<\/p>\n<p><!--more-->Aktuell machen die sogenannten Babyboomer eine sehr gro\u00dfe Gruppe in unserer Pfarrerschaft aus, es sind sehr viele. Und das wissen sie, denn das haben sie in Leben lang geh\u00f6rt. Sie waren immer viele, schon im Studium. Sie waren so viele, dass man gar nicht alle einstellen konnte. Sie mussten um ihre Stellen k\u00e4mpfen, Leistung bringen, sich hervorheben. Manche wurden gezwungen in Stellenteilung zu gehen um \u00fcberhaupt eine Stelle zu bekommen &#8211; die damals in diesem Zusammenhang gemachten Versprechen zur Pensionsanerkennung werden inzwischen juristisch als fragw\u00fcrdig angesehen. Immer hie\u00df es, dass es so viele sind. Ihre Menge f\u00fchrte sogar dazu, dass in den letzten 20 Jahren in der Landeskirche ein Schaubild zur Altersverteilung mit einem Berg herumging, der intern \u201edas eigentliche Problem\u201c genannt wurde.<\/p>\n<p>Und dann, als viele dieser Babyboomer endlich gesettelt in ihren Jobs sa\u00dfen und in der Familienphase waren, erschien am Horizont eine neue Herausforderung durch die verst\u00e4rkte Nutzung der EDV in der Arbeitswelt und damit auch im Pfarramt bis hin zur \u201edigitalen Revolution\u201c. Wieder gab es Ver\u00e4nderungen mit neuen Anforderungen und mancher Babyboomer war frustriert, dass die nachfolgenden Generationen damit bisweilen schneller zurecht kamen. Letzteres gilt vor allem f\u00fcr die sogenannte \u201eGeneration Y\u201c, die seit einigen Jahren auf den Arbeitsmarkt kommt.<\/p>\n<p>Die Generation Y ist eine Generation der Krise, deren Erwachsenenleben von st\u00e4ndigen Umbr\u00fcchen gepr\u00e4gt war. Und obwohl sie stark umworben ist, hat die Generation es gleichzeitig insgesamt auf dem Arbeitsmarkt in manchen Bereichen schwer. Weil vermehrt befristete Stellen auf Projektbasis geschaffen wurden und auch weil es so eine gro\u00dfe Auswahl gibt, so viele M\u00f6glichkeiten &#8211; und sich festlegen ist nicht unbedingt ihre St\u00e4rke. Die jungen Leute sp\u00fcren au\u00dferdem zum Teil auch noch die Auswirkungen der sogenannten \u201eGeneration Praktikum\u201c aus den 2000er Jahren.<\/p>\n<p>Die Babyboomer in der Pfarrerschaft mussten nun mit ansehen, wie man von Seiten der Landeskirche intensiv um diese Generation Y geworben hat und noch immer wirbt. Und welche gro\u00dfen Anspr\u00fcche diese Generation auch stellt, im Blick auf Work-Life-Balance, auf Familie, auf Arbeitsbedingungen. Anspr\u00fcche, die die Babyboomer niemals gestellt h\u00e4tten \u2013 weil sie es gar nicht konnten (wir erinnern uns: es sind sehr viele \u2013 die Generation Y sind hingegen wenige). Und nat\u00fcrlich frustriert das, verst\u00e4ndlicherweise. Und oft \u00e4u\u00dfert sich das in dem Vorwurf: \u201eWir hatten das auch nicht.\u201c Ja, das stimmt. Und das ist doof. Aber das wird die Generation Y nicht davon abhalten, bestimmte Dinge zu fordern. Weil sie es k\u00f6nnen. Ob diese Anspr\u00fcche tats\u00e4chlich immer alle gerechtfertigt sind, ist nat\u00fcrlich zu diskutieren.<\/p>\n<p>Die Generation Y in der Pfarrerschaft hingegen sieht eine Landeskirche, in der viele viele wichtige Stelle von Babyboomer besetzt sind. Dort werden die Entscheidungen getroffen und bei allem Verst\u00e4ndnis und bei aller Begeisterung f\u00fcr neue Ideen manches einfach ausgesessen. Und die jungen PfarrerInnen merken, dass ihre Vorstellungen von Teamarbeit, von gegenseitigem Erg\u00e4nzen, von echter, wirklicher Gabenorientierung bei den \u00e4lteren Kollegen bisweilen nicht so gut ankommen. Das liegt auch daran, dass die \u00e4lteren PfarrerInnen oft das Gef\u00fchl haben, wenn ein junger Kollege etwas Gutes macht, dann erwartet man (wer auch immer \u201eman\u201c sein soll) das auch von ihnen. Und es liegt auch mit daran, dass die Babyboomer sehr pflichtbewusst sind und es f\u00fcr sie manchmal so wirkt, als ob die Generation Y mit Gabenorientierung meint, dass jeder nur das macht, auf was er Lust hat (bisweilen ist das sogar so).<\/p>\n<p>Und tief in ihrem Herzen \u2013 manchmal auch sehr offen \u2013 w\u00fcnschen sich die Babyboomer, dass doch die Jungen einfach m\u00f6glichst schnell so werden wie sie selbst schon sind. Aber das wird eben nicht passieren.<\/p>\n<p>Dieser genannte Konflikt zeigt sich manchmal offen, meist aber nur verdeckt. Wenn Ideen ausgebremst werden. Wenn die W\u00fcnsche der Jungen in Bezug auf ihre Arbeitsbedingungen bel\u00e4chelt werden (siehe unten, picture related). Wenn junge Pfarrer untereinander ihr Unverst\u00e4ndnis \u00fcber manche Kollegen \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Und manchmal schimmert auch ein wenig durch, dass sich Mancher der \u00c4lteren doch gewisse Errungenschaften auch f\u00fcr den eigenen Lebenslauf gew\u00fcnscht h\u00e4tte: \u201eMeine Kinder h\u00e4tten sich sehr gefreut, wenn ich das damals so machen h\u00e4tte k\u00f6nnen wie Sie.\u201c<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht wird sich dieser unterschwellige Konflikt in den kommenden Jahren noch mehr verst\u00e4rken, erst recht, wenn die Generation Y anf\u00e4ngt auf die Leitungsstellen zu kommen. Und irgendwann wird diese Generation komplett die Leitung der Landeskirche \u00fcbernehmen und dann vieles (mit Recht) anders machen. Dann ist das Problem aber nicht weg, sondern nur verschoben.<\/p>\n<p>Denn nat\u00fcrlich werden viele der Babyboomer dann noch in unserer Kirche wie schon bisher viel gutes wirken und sich engagieren \u2013 als Ehrenamtliche, die wir dringend brauchen. Deshalb ist es wichtig, dass wir \u00fcber diese unterschiedlichen gegenseitigen Sichtweisen sprechen. Dass die Jungen verstehen, warum die Babyboomer von manchen ihrer Forderungen und W\u00fcnschen so genervt oder gar verletzt sind. Und dass die \u00c4lteren akzeptieren, dass jede Generation ihre ganz eigenen Herausforderungen und Schwierigkeiten hat \u2013 und dann zulassen, dass die Jungen es anders machen und anders sind als sie selbst.<\/p>\n<p><em>* Mir ist klar, dass diese Sichtweise vereinfacht ist und das Profil der betreffenden (Pfarrer-)Generationen &#8211; wenn es die so \u00fcberhaupt gibt &#8211; wesentlich komplexer ist. Die Babyboomer haben mit ihrer Arbeit und ihrer gro\u00dfen Zuverl\u00e4ssigkeit sehr viel geleistet. Und in der Generation Y gibt es auch viele sehr fragw\u00fcrdige Entwicklungen. Allerdings \u00e4ndert das an den dargestellten Wahrnehmungen und auch am verdeckten Konflikt meines Erachtens nichts.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner Weiterbildung zum Gemeindeberater und Organisationsentwickler habe ich vor kurzem im Rheinland ein Modul zur Personalentwicklung belegt. W\u00e4hrend des Kurses haben wir uns mit Personalmanagement besch\u00e4ftigt und dabei auch \u00fcber die sogenannte \u201eGeneration Y\u201c gesprochen \u2013 dar\u00fcber, wie sie sich selbst sieht und wie sie von den \u00c4lteren gesehen wird. 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