{"id":1307,"date":"2013-06-17T10:18:26","date_gmt":"2013-06-17T08:18:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theglade.com\/toleblog\/?p=1307"},"modified":"2013-06-17T10:31:49","modified_gmt":"2013-06-17T08:31:49","slug":"sozialer-aufstieg-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theglade.com\/toleblog\/?p=1307","title":{"rendered":"Sozialer Aufstieg in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Einen sehr interessanten Artikel habe ich heut auf FAZ.net gefunden: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/menschen-wirtschaft\/chancengerechtigkeit-die-neue-klassengesellschaft-12204524.html\" title=\"Chancengerechtigkeit. Die neue Klassengesellschaft\" target=\"_blank\">Chancengerechtigkeit. Die neue Klassengesellschaft<\/a>.<\/p>\n<p>Es geht darin um den sozialen Aufstieg und um die Zusammenh\u00e4nge zwischen Bildung, Elternhaus und allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen. Hier einige Ausz\u00fcge:<\/p>\n<blockquote><p>\nNach dem neuesten Bildungsbericht der OECD erreichen nur 20 Prozent der J\u00fcngeren einen h\u00f6heren Abschluss als die Eltern. Im europ\u00e4ischen Durchschnitt sind es fast doppelt so viele. \u201eEs ist in den letzten 20 Jahren schwerer geworden, aus Einkommensarmut oder weniger privilegierten Lebenslagen herauszukommen\u201c, sagt auch Gert G. Wagner, Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Die mangelnde Durchl\u00e4ssigkeit sei eines der gr\u00f6\u00dften Probleme unserer Gesellschaft.\n<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dem Artikel zufolge ist der soziale Aufstieg nicht mehr in dem Ma\u00dfe m\u00f6glich, wie es noch in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren der Fall war. Daf\u00fcr spricht auch eine Studie des Instituts f\u00fcr Demoskopie Allensbach.<\/p>\n<blockquote><p>Das Institut f\u00fcr Demoskopie Allensbach hat \u00fcber Jahrzehnte immer wieder ermittelt, ob Aufstieg durch Leistung nach Ansicht der Befragten in Deutschland m\u00f6glich ist, ob jeder seines eigenen Gl\u00fcckes Schmied sein k\u00f6nne. Dabei zeigt sich: Das Vertrauen in das Aufstiegsversprechen erreichte zwischen 1963 und 1975 seinen H\u00f6hepunkt. Danach fiel es deutlich ab. Vor allem die J\u00fcngeren aus den unteren Schichten sind entmutigt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wo liegen nun aber die gr\u00f6\u00dften Probleme, die es heute schwerer machen, den sozialen Aufstieg aus unteren Gesellschaftsschichten zu schaffen? Ein Punkt ist ein Wandeln bei den Zielen, die die Menschen f\u00fcr sich und f\u00fcr ihre Kinder haben.<\/p>\n<blockquote><p>WZB-Forscher Pollak spricht von den Verlust\u00e4ngsten einer risikoscheuen Gesellschaft. \u201eIn erster Linie versuchen Menschen, soziale Abstiege zu vermeiden\u201c, sagt er. Der Verlust des einmal errungenen sozialen Status wiege schwerer als der verpasste Aufstieg. Die Familien investieren mehr Energie, um das erreichte Niveau f\u00fcr ihre Kinder zu halten, als in Karrierepl\u00e4ne, die \u00fcber die eigene Schicht hinausreichen k\u00f6nnten. W\u00e4hrend nach den Zahlen des Allensbach-Instituts 86 Prozent der Eltern aus der h\u00f6heren Schicht wollen, dass der Nachwuchs das Abitur macht, sind es in bildungsferneren Kreisen nur 47 Prozent.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass Bildung f\u00fcr einen sozialen Aufstieg eine gro\u00dfe Rolle spielt, liegt auf der Hand. Trotz der Entwicklungen der letzten Jahrzehnte spielt die Herkunft im Blick auf die Bildung immer noch eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als dies vermutet oder behauptet wird.<\/p>\n<blockquote><p>\nWie wichtig das Elternhaus in Deutschland f\u00fcr die Bildungskarriere ist, zeigten die Ergebnisse der Pisa-Studie. \u201eIm Lesetest erzielten Jugendliche aus bessergestellten Familien \u00fcber hundert Punkte mehr also solche aus schwierigen Verh\u00e4ltnissen\u201c, sagt eine Sprecherin des Berliner OECD-B\u00fcros. \u201eDas entspricht einem Abstand von gut zweieinhalb Schuljahren.\u201c Unter den entwickelten Staaten geh\u00f6re Deutschland \u201ezu den L\u00e4ndern mit der geringsten Chancengleichheit\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hinzu kommt, dass Eltern einen m\u00f6glichen Aufstieg der Kinder sogar (unbewusst) boykottieren.<\/p>\n<blockquote><p>Oft lassen die Eltern ihre Kinder nicht los, obwohl sie f\u00fcr sie eigentlich nur das Beste wollen. Dann wird der Aufstieg schwer. Manche Eltern wollten ihren Kindern ein Scheitern ersparen. Oder sie sorgen sich, dass sie dem Nachwuchs auf der h\u00f6heren Schule nicht helfen k\u00f6nnten.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Sozialer Aufstieg ist nicht nur ein Gewinn, er geht immer auch einher mit der Entfremdung vom eigenen Milieu und ist damit ein biographisches Risiko &#8211; trotz finanzieller Vorteile.<\/p>\n<p>Es macht hier wenig Sinn, den ganzen Artikel zu zitieren, er lohnt sich auf jeden Fall ihn zu lesen.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber aber \u00fcberhaupt nicht gesprochen wird, ist die Frage, inwiefern sich denn tats\u00e4chlich eine h\u00f6here Bildung mit einem sozialen Aufstieg in Verbindung bringen l\u00e4sst. Die Entwicklung geht doch immer mehr dahin, dass Studieren sich im Blick auf eine bessere Einkommenssituation je nach Studiengang kaum noch lohnt. Deutsche Universit\u00e4tsabsolventen haben ein sehr hohes Durchschnittsalter, in der Zeit kann man als Facharbeiter schon ein Haus bauen oder kaufen. Und w\u00e4hrend es noch vor 40 Jahren relativ klar war, dass man mit einem h\u00f6heren Bildungsabschluss automatisch in eine h\u00f6here Schicht und h\u00f6here Einkommensbereiche kommt, ist das heute nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich. Ich kenne genug Akademiker, die davon ein trauriges Lied singen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen sehr interessanten Artikel habe ich heut auf FAZ.net gefunden: Chancengerechtigkeit. Die neue Klassengesellschaft. Es geht darin um den sozialen Aufstieg und um die Zusammenh\u00e4nge zwischen Bildung, Elternhaus und allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen. Hier einige Ausz\u00fcge: Nach dem neuesten Bildungsbericht der OECD erreichen nur 20 Prozent der J\u00fcngeren einen h\u00f6heren Abschluss als die Eltern. 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