Revolverkosmetik

Sonntag, 24. Mai 2009 von Tobias

Gestern lernte ich auf einem Geburtstag einen britischen Regierungsbeamten kennen, mit dem ich mich länger Zeit über alles mögliche unterhalten habe. Wir kamen auch auf das britische Waffenverbot zu sprechen und er erzählte mir einige Dinge, die mir aus den Zeitungsberichten anders in Erinnerung waren.

Da war zum Beispiel dieser Artikel in der Zeitung über den Vortrag von „Gun Control Network“-Mitglied Michael North. Im Artikel hieß es am Ende:

Seit 1997, seit das Gesetz zum Waffenverbot durchgesetzt wurde, hat es in England im Übrigen keinen Amoklauf mehr gegeben.

Das stimmt so natürlich und ist auch gut. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Denn das verschärfte Waffenrecht hatte in anderen Bereichen überhaupt keine bis sogar gegenteilige Effekte.
In einem Artikel von „the independent“ von 2007 fand ich folgende Abschnitte:

Ministers also faced criticism over claims that gun crime has fallen, as Home Office figures showed that deaths and injuries in gun attacks increased from 864 in 1998-99 to 3,821 in 2005-06.

[..]

But Mr Cameron, who will hold talks on gun crime with the former New York mayor Rudolph Giuliani next month, said the Government was „complacent“. He said: „Jack Straw’s self-satisfied comments today expose this Government’s complacent attitude to the growing problem of gun crime on Britain’s streets.

Das entspricht in etwa dem, was mir gestern abend erzählt wurde. Denn de facto wurde durch das Verbot von Handfeuerwaffen der Schwarzmarkt so richtig angefeuert, so dass jetzt jeder kleine Drogendealer eine illegale Waffe hat und die Verbrechen mit Waffen zugenommen haben. Die (illegalen) Waffen auf der Straße, so der Regierungsbeamte, seien ein echtes Problem.

Natürlich ist ein Verbot von Handfeuerwaffen in Privatbesitz mehr oder weniger nachvollziehbar und wahrscheinlich sogar sinnvoll. Nur wenn als Beispiel Großbritannien herangezogen wird, dann sollen doch bitte die Fakten auch stimmen.
Und wenn ein Zusammenhang bestehen sollte zwischen dem Firearms Act 1997 und einem Anstieg der Verletzungen und Tötungen durch Waffen um das 4fache… dann sollte man sich das vielleicht nochmal überlegen.

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