Irreführende Berichterstattung

Sonntag, 15. März 2009 von Tobias

Vieles kann man (besonders am Niederrhein) über den Mord an der 20-jährigen Türkin aus Rees lesen. (Nach Abtreibung ermodet, Ermittlungen auf Hochtouren, Familie ist zur Beerdigung in die Türkei geflogen, Fall schlägt in den Medien hohe Wellen).

In den Artikeln liest man immer wieder ähnliches, z.B.

Eine Entjungferung vor der Ehe und erst recht eine Abtreibung sind für Kurden ein großes Vergehen. Gülsüm fühlte sich als Deutsche und wollte auch so leben.

oder

Inzwischen wird mehr und mehr über die 20-jährige muslimische Kurdin bekannt, die vor 13 Jahren mit ihrer Familie nach Rees zog.

Heute nun habe ich mit einem Bekannten aus Rees über den Fall gesprochen, er ist Kurde. Tatsächlich bestätigte er mir meine Befürchtung, dass das Verhalten gegenüber Kurden in Rees angespannter wurde. Die Menschen sind (verständlicherweise) misstrauischer und z.T. auch schneller im (ver-)urteilen. Er erzählte mir, dass ein 4 Mann starkes Fernsehteam des WDR ein Interview von ihm wollte, was er ablehnte, weil er die Familie nur vom sehen kennt.

Denn: Nach seinen Angaben sind das gar keine Kurden, sondern türkische Araber. Und eben Muslime. Die Kurden in Rees sind aber zum Großteil Jesiden. Weil die Familie aber aus den Kurdengebieten kommt und die kurdische Gemeinschaft in Rees und Umgebung bekanntermaßen groß ist, wirft die Presse das schonmal gern in einen Topf. Den genauen Unterschied kennt man eh nicht.

Natürlich ist das nur ein kleines Beispiel. Dennoch: Die ganzen Erfahrungen der letzten Woche haben mein Misstrauen gegenüber den Medien um einiges vervielfacht. Und mir gezeigt, wie stark die Berichterstattung oft von Unwissenheit, Gleichgültigkeit und vor allem Sensationsgier geprägt ist. Leider.

Mein Fazit ist, dass ich in Zukunft dem, was ich in Fernsehen, Presse und Internet als vermeintliche Fakten erfahre, noch um einiges kritischer begegnen werde.

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