Die Counterstrike-Gesellschaft

Dienstag, 21. November 2006 von Tobias

Nach dem Amoklauf an der Schule in Emsdetten geht die alte Diskussion wieder los (Spiegel.de: Politiker streiten über Umgang mit PC-Killerspielen).
Während die Grünen grundsätzliche Dinge klären wollen

„Wenn die Informationen zutreffen, dass der Täter gesellschaftlich isoliert war und seine Zeit hauptsächlich mit dem Spielen von Killerspielen verbracht hat, dann muss jetzt verstärkt eine Debatte um Förderung von Medienkompetenz und einer sinnvollen Computernutzung geführt werden“, sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck.

prescht die CDU richtig vor:

[…] der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach. „Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass der 18-jährige Täter sich über einen längeren Zeitraum und intensiv mit sogenannten Killerspielen beschäftigt hat, müsste der Gesetzgeber nun endlich handeln“, sagte er. PC-Killerspiele wie „Counterstrike“ müssten verboten werden.

[…]

Bosbach forderte in der „Netzeitung“ eine Verschärfung des Jugendschutzes: „Wir brauchen einen wirksamen Jugend-Medienschutz, aber keine Killerspiele, die zur Verrohung führen können.“ Ähnlich äußerte sich der Brandenburgs Innenminister Jörg Schöhnbohm (CDU): „Killerspiele leisten einen verhängnisvollen Beitrag zur leider wachsenden Gewaltbereitschaft und fördern aggressives Verhalten. Deshalb muss konsequent gegen Spiele vorgegangen werden, die Gewalt verherrlichen“, sagte Schönbohm.

Es ist schön, wenn es so einfach ist. Die SPD sieht alles etwas differenzierter:

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sprach sich dafür aus, ein Verbot gewaltverherrlichender Spiele zumindest in Betracht zu ziehen. Er stellte allerdings klar, dass nicht jeder, der ein Killerspiel spiele, „automatisch zum Massenmörder“ werde. Nötig sei vor allem eine generelle Auseinandersetzung mit den Ursachen von Jugendgewalt.

In der Tat. Es mag zwar sein, dass in Einzelfällen solche Spiele die Gewaltausbrüche gefördert haben, aber ein pauschales Urteil ist dann wohl doch zu hart. Schließlich müsste ich dann ebenfalls ein Massenmörder sein… und was für einer. Ich habe schließlich schon Gewaltspiele (DOOM und Wolfenstein 3D waren auf dem Index) gespielt, da konnte die Counterstrike-Generation noch nicht mal sprechen…

Das Problem ist ein grundsätzliches, wie auch der Präsident des Lehrverbandes, Josef Kraus, feststellte.

„Brutale Computerspiele und Videofilme gaukeln Jugendlichen den schnellen Sieg des Stärkeren vor“, sagte er der „Bild“-Zeitung. „Auswege für den Verlierer bieten sie nicht.“ Kraus kritisierte auch den Werteverfall in der Gesellschaft: „Drogen, Konsum, Spaß sind die einzigen Werte, die Pop- und TV-Stars noch vermitteln.“ Von Eltern und Lehrern verlangte er, ihren Kindern durch eigenes Handeln ein positives Zukunftsbild zu vermitteln.

Es ist Ironie, dass er dies ausgerechnet der Bildzeitung sagte, die mit ihrer Berichterstattung auch nicht wirklich gegen den Werteverfall arbeitet. Seine Forderung nach Vorbildfunktion und Vermittlung eines positiven Zukunftsbildes von Eltern und Lehrern (und damit auch dem Staat) ist jedoch völlig richtig. Allerdings ist das schwer. Viel schwerer, als einfach den Gewaltspielen die Schuld zu geben und sie zu verbieten.
Noch dazu kann niemand garantieren, dass es nach einem Verbot keine Amokläufe von Jugendlichen mehr gibt. Verbote von Spielen bringen sowieso nichts, solange sie in anderen Ländern gekauft werden können (oder online runtergeladen werden). Dieses Verbot würde das Problem nicht lösen, sondern wäre ein reines Selbst-auf-die-Schulter-Klopfen der Politiker.

Nachtrag: Bernd-Michael Haese hat zu dem Thema eine ähnliche Meinung, siehe nordelbien-blog.

3 Reaktionen zu “Die Counterstrike-Gesellschaft”

  1. » Ballern im Blutrausch

    […] Nachdem Tobias mit der Counterstrike-Gesellschaft schon eine kleine Presseschau zur neuen Ballerspiel-Verbots-Diskussion geliefert hat, bleiben für mich immer noch einige Fragen offen. Es wird viel über den schädlichen Einfluss  der Ballerspiele gesprochen und die Diskussion ist wohl schon so alt wie die Gewalt selbst. Schon Augustinus schrieb über einen Zuschauer bei Gladiatorenkämpfen: Denn kaum sah er das Blut, trank er auch schon wilde Grausamkeit in sich hinein, und er sah nicht weg, sondern fest dahin und trank die wilde Wut und wusste es nicht und letzte sich an der Untat dieses Kampfes und berauschte sich in blutsüchtiger Wollust. (Augustinus Conf. 6,8,13) […]

  2. Tim

    Hab grad den Kommentar bei BeMi gelesen und kommentiert. Übrigens, den Titel des Beitrags (s.o.) habe ich inzwischen geändert und einen neuen unter gleichem Namen verfasst. Lässt sich sowas eigentlich ändern?

  3. Spiel-Magie » Re: JAJA - Xbox-Spiele kopierbar?

    […] spielefach geht das vermutlich nicht. AFAIK hat sich Nintendo etwas bei Sega bedient, was die Kopierschutztechnik angeht. Die CDs der Dreamcast (GD-ROMs) konnte man im PC nicht lesen, sondern nur über spezielle Hard- und Software mit dem Dreamcast-Laufwerk. Das dürfte beim Gamecube nicht anders sein – wahrscheinlich gibt es auch da mehrere Sessions, die physikalisch getrennt sind (bei der DC war das ein ringförmig aufgebrachter Bereich an toten Sektoren, die ein normales CD- oder DVD-ROM nicht überspringen konnte, vor dem Ring war ein Datentrack und ein Audiotrack, nach dem Ring kam eine in speziellen, fehlerkorrekturfreien Sektoren geschriebene Datensession). Ich weiss nun nicht, ob der Gamecube einen seriellen oder parallelen Port besitzt, wenn er aber einen Netzwerkadapter hat (wirds doch sicher zumindest als Zubehörteil geben) hat Nintendo aller Wahrscheinlichkeit verloren. Irgendwen gibts immer der die Kiste programmieren kann… bei der Dreamcast hats ja auch ne Weile gedauert bis das “Unmögliche” geschafft wurde. Klar, für die Hersteller ist es bitter, aber ich find es immer spannend zu beobachten wie die Kopierschutzmechanismen auseinandergenommen werden. Die WiXbox hat AFAIK bereits komplett verloren – es gibt bislang kaum Spiele die größer als 3.5 GB sind, und selbst da lässt sich sicher das eine oder andere Video noch downsamplen (siehe Dreamcast) oder ganz weglassen. Bei der PS2 dachte auch erst keiner, das sich die DVDs rippen lassen – tja, wohl falsch gedacht. Vor allem: auf dem PC sind die meisten Spiele auf 1-2 CDs, selbst nach der Installation sind sie kaum größer. Was um alles in der Welt sollen die Hersteller bitte auf die 9 GB großen DVDs packen? Das meiste wird doch heute eh in Enginegrafik gerendert, Videofilme sieht man doch eher nicht mehr, und die Enginegeschichten verbrauchen nur wenig Platz. Achja… und wenn man dann doch nicht genug Platz auf einer Mini-CD hat, dann nimmt man halt 2 oder mehr – ich sag nur: bei der Dreamcast hat das wunderbar geklappt, dann war ein Spiel mit 2 GDs halt auf 4 CD-ROMs. Ist zwar sicher bischen komplexer, aber nun, entweder man findet sich damit ab oder man kauft sich das Spiel. Aber ich schätze, die Cracker werden auch versuchen, mit Runtime-Kompression das Datenvolumen zu reduzieren. phlux You can leave a comment, or trackback from your own site. RSS 2.0 […]

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