Archiv der Kategorie 'Bildzeitung'

Glimmende Strohfeuer

Donnerstag, den 31. Mai 2007

Die Medienwelt lebt wie wir alle wissen von „Skandalen“ und sonstigen aktuellen Aufregern, die punktuell so hochgepuscht werden, dass man von der Flut der Berichte überschwemmt wird. Genauso schnell wie die Medienpräsenz zugenommen hat, so schnell hat sie auch wieder abgenommen.

Wer einschlägige Boulevardmedien wie Bildzeitung oder Magazin-Sendungen auf RTL / Sat1 / Pro7 anschaut, findet kaum noch Berichte über die vor kurzem „wichtigsten“ Themen Deutschlands.

  • Was macht eigentlich Knut? Mit jedem Kilo, das er zunimmt, wird er weniger „süß“ und damit auch weniger interessant. Es bleibt abzuwarten, wann die ersten Knut-Domains wieder zum Verkauf stehen.
  • Man muss schon genauer suchen, wenn man etwas über Max Buskohl erfahren will. Ob Stefan Raab in tatsächlich noch in die Sendung einladen will, wird man sehen… und wenn, dann geschieht das nur zu Werbezwecken für Raabs eigene Castingshow.
  • Ganz dürftig sieht die Berichterstattung über den „berühmtesten Arbeitslosen Deutschlands“, Henrico F. aus. Was der gut organisierte Gegenspieler Becks wohl heute macht? Hat er sich die Haare wieder wachsen lassen?

Das es auch anders geht zeigen Promis wie Paris Hilton oder Britney Spears. Obwohl ihre Geschichten kaum besser sind als die von Knut&Max, schaffen sie es immerhin, konstant in den Medien mit Skandalen, Skandalbeichten oder sonstigem Stuss aufzutauchen. Da erkennt man einfach die Profis…

Politische Themen verlieren auch schnell an Brisanz. Obwohl die Killerspiel-Debatte anscheinend noch immer anhält, muss man die Artikel dazu schon in den Tiefen der Gaming-Szene-Berichterstattung suchen. Damit das Thema wieder auf die Startseiten von Spiegel, Stern & Co. kommt, muss wohl erst wieder etwas passieren. Auch wenn es die Politiker ehrt, dass sie sich noch um das Thema Killerspiele bzw. Komasaufen bemühen (um sich gegen den Vorwurf des Aktionismus zu wehren), so gibt es doch anscheinend inzwischen wesentlich „wichtigere“ (weil aktuellere) Themen. Z.B. die Gesundheit der Deutschen, oder den Klimawandel, oder die Geruchsproben der Globalisierungsgegner.

Miss Tirols Widersprüche

Freitag, den 4. Mai 2007

Heute berichtet „Miss Tirol“ auf Bild.de unter der Überschrift „Olli hat viel versprochen und nichts gehalten“ über ihre Affäre mit Olli Kahn:

Jasmin wusste damals angeblich nicht, wen sie vor sich hatte.

Sie behauptet: „Da ich nie ein Fußball-Freak war, muss ich gestehen, dass ich Oliver gar nicht erkannte, als wir uns im ,P1‘ kennenlernten. Das ist die Wahrheit.“

Jasmin zu BILD: „Ich habe ihn als ,alleinstehenden Mann‘ kennengelernt. Das betone ich ausdrücklich.“

Sie habe geglaubt, seine Beziehung zu Verena Kerth sei beendet.

Wo ist da der Widerspruch?

Anleitung zum Teenies-Abzocken

Montag, den 30. April 2007

Inspiriert von Bild.de (DSDS-Fan-Aufstand vor dem großen Finale) und DSDS.

Schritt 1: Mach allen vor, es gäbe einen Favoriten und schüre damit Ärger bei den Fans des anderen Kandidaten. Nutze dazu einschlägige Boulevard-Medien.

[..] Bohlen-Liebling Mark Medlock!

Für die meisten DSDS-Zuschauer dürfte klar sein, dass der sympathische Hesse als großer Favorit ins Rennen um den Superstar-Titel geht. Vor allem weil er gesanglich besser ist als der süße Bayer mit den blauen Augen.

Schritt 2: Hoffe, dass die Fans des Gegners (Stosch) zum Angriff blasen.

So heißt es beim DSDS-Fan-Forum „Jux.de“ unter dem Thema: „Wichtig an alle“: „Bitte ruft im Finale alle für Martin an.
Lasst es uns dem Bohlen mal zeigen, dass wir die Macht haben, den Superstar zu bestimmen und nicht er. Egal wessen Fan ihr seid oder wart: Votet im Finale für Martin.“

Schritt 3: Forciere einen Gegenangriff der anderen Fan-Fraktion (Mark).

Doch die eingefleischten Mark-Medlock-Fans schießen zurück: „Wir müssen die Martin-Fans platt machen!“

So schreibt Petra: „Jetzt wird’s wirklich ernst! Wir müssen am Samstag für Mark anrufen, was das Zeug hält. Es darf ihm nicht gehen wie Lisa. Am Ende muss der „Goldregen“ aber einfach über Mark nieder rieseln. Er ist einfach der Beste! Also, am Samstag wird die Telefonrechnung halt mal was höher ausfallen müssen. Es liegt einzig und allein an uns!

Schritt 4: Erfinde einige aufrüttelnde „Statements“ für durchschlagenden Erfolg.

Julia: „Mark war am Samstag so geil! Ich hab leider nur 36 mal für ihn angerufen (mehr Geld hab hab ich nicht gehabt!). So jetzt ist er im Finale. Alle müssen ganz oft für ihn anrufen Ich ruf 60 mal an!“

Schritt 5: Lass den Kandidaten gewinnen, mit dem noch mehr Kohle zu machen ist. Gib niemals die genauen Abstimmungsergebnisse bekannt!!!

Bis zum großen DSDS-Showdown (Samstag, ab 20.15 Uhr) sind es nur noch wenige Tage. Am Ende wird wohl nicht die gesangliche Leistung über den neuen Superstar entscheiden, sondern wer die stärkere Fangemeinde hat.

Schritt 6: Weise alle Anschuldigungen zurück, es wäre alles nur Fake und verkünde, dass natürlich der „Bessere“ gewonnen hat! Verschweige, wieviele Jugendliche ihr gesamtes Erspartes vertelefoniert haben und hoffe, dass sie noch Geld für das völlig überteuerte neue Album des Superstars haben.

Schritt 7: Kauf dir ein Haus auf Mallorca…

Freiheit für Max Buskohl!

Freitag, den 27. April 2007

Gestern hat Stefan Raab RTL mit einer Großdemo während der DSDS-Sendung am Samstag gedroht, wenn sie Max Buskohl nicht aus dem Knebelvertrag lassen (siehe früherer Beitrag). Natürlich wurde auch gleich die ganze Geschichte vermarktet und es gibt inzwischen auch T-Shirts mit diesem Logo:

Max Buskohl - Gefangener von RTL

Max Buskohl – seit 196 Tagen Gefangener von R.T.L.: Ob dieses an das RAF-Foto von Schleyer angelehnte Bild geschmackvoll ist, darüber lässt sich streiten.

Nachtrag: Dass ausgerechnet die Bildzeitung sich darüber beschwert, dass die Opfer der RAF mit dieser Fotomontage „verhöhnt“ werden, finde ich wesentlich geschmackloser als das Foto selbst. Schließlich ist BILD sonst bei der Nichtbeachtung der Würde anderer Menschen (siehe Leserreporter etc.) in vorderster Front dabei!

Respekt! Mein lieber… Herr Gesangsverein!

Mittwoch, den 25. April 2007

Ich fand selten eine Aktion von Stefan Raab so genial wie diese. Gerade lese ich bei Bild.de unter der Überschrift „Max Buskohl soll bei Stefan Raab auftreten„:

In seiner gestrigen Show bot TV-Rebell Stefan Raab Max an, gemeinsam mit seiner Band „Empty Trash“ bei ihm auftreten zu dürfen: „Jetzt ist Max raus und darf bei RTL nicht mehr spielen… Wir hier bei ‚TV Total‘ sind ein liberales, unermüdliches Grüppchen von Idealisten. Wir sagen: Max Buskohl, falls du uns zuschaust, du kannst ab morgen hier bei uns auftreten. Eine Woche lang mit deiner Band ‚Empty Trash‘.“

Nach diesem ganzen Stress um den Rauswurf und den gegenseitigen Beleidigungen zwischen Max und Dieter Bohlen ist das ein Schlag ins Gesicht für den „Pop-Titan“.

So antwortet Raab auf Bohlens prophetischen Satz „nach Max kräht bald kein Hahn mehr“ mit folgendem Satz:

„Er tritt so lange bei uns auf, bis die Platte auf Platz 1 ist. Und wenn es Jahre dauert. Die Strafe hat RTL verdient.“

Es zeigt sich mal wieder, dass Stefan Raab das richtige Gespür hat. Wenn die Sache nämlich wirklich so stattfindet, wird Max nämlich unter Umständen tatsächlich sehr bald Platz 1 sein.

Bleibt nur noch das Problem der DSDS-Knebelverträge. Aber auch dafür hat Raab eine Lösung:

Offenbar ist der Moderator richtig scharf auf den Nachwuchs-Rocker: „Falls das Vertragsstrafen nach sich zieht bei RTL, die zahlen wir. Das machen wir. Wir zahlen für dich die Strafe bei RTL. Und du darfst hier singen.“

[…]

Außerdem geht’s zumindest wohl ein klitzekleines Stück ums Prinzip. Gewohnt süffisant frotzelte er: „Das ist doch ’ne tolle Aktion, oder? Da werden die von RTL doch wohl nichts dagegen haben. Ihr werdet doch keinem jungen aufstrebenden Künstler Stöcke zwischen die Beine werfen… Jetzt, am Start seiner Karriere. Das würde ja Menschenhandel gleichkommen, wenn ihr ihn jetzt hier nicht auftreten lassen würdet.“

Echt cool, der Raab – damit hat er mal wieder einen guten Geschäftssinn gezeigt. Bin mal gespannt, was „Ich hab viel mehr Platten verkauft“-Dieter dazu sagen wird…

K*** nervt!!!!!

Freitag, den 13. April 2007

Ich habe mir fest vorgenommen, den kleinen ach so süßen Eisbären nirgends zu erwähnen (ist aber unglücklicherweise schon passiert).

Ich kann es nicht mehr hören und sehen, überall nur dieser Eisbär. Meine Güte, er ist ja nett und niedlich und so weiter, aber daraus so einen Medienrummel zu machen… ich weiß nicht. Mal abgesehen davon, dass es natürlich hauptsächlich um die Kohle geht. Warum nur springen alle auf den K***-Hype auf? Produzieren Lieder, Spielzeug, Designerfood etc.? Nur des Geldes wegen! Mit Eisbären kann man jede Menge Knete machen, allein die Aktie des Berliner Zoos ist in den letzten Wochen auf das Doppelte an Wert gestiegen (und natürlich hat sich der Zoo den Namen K*** als Marke sichern lassen – die sind ja nicht blöd).

Mir jedenfalls ist der Kleine sowas von Schnuppe und ich schalt inzwischen weg, wenn ich ihn sehe. So toll ist der nämlich auch nicht. Und in ein paar Monaten redet eh keiner mehr von ihm, weil er dann plötzlich groß und böse ist und vielleicht seine Wärter zerfleischt – wer weiß das schon…

Es geht jedenfalls nicht nur mir so, und einige etwas genervtere Zeitgenossen haben sogar eine eigene Seite mit einem „Killerspiel“ entworfen: www.kill-k***.com. Viel Spaß!

Nachtrag: Bis vor ein paar Wochen habe ich mit dem Namen K*** nur Herrn Søndergaard in Verbindung gebracht – erinnert ihr Euch noch an den? Der hat jetzt ne Ehrung bekommen, für 25 Jahre Partnerschaftsarbeit mit dem LGW (wenn ich das hier auf Seite 13 richtig verstanden habe).

Post an Wagner: Wagner gegen Gates

Freitag, den 13. April 2007

Mein „Lieblings“-Kolumnist F. J. Wagner hat mal wieder was geschrieben, was ich kommentieren muss. Unter der Überschrift „Lieber Bill Gates“ stellt er einen Dialog zwischen Gott und Bill Gates nach.

Lieber Bill Gates,

Sie wollen demnächst mit russischen Kosmonauten in den Weltraum fliegen – was für ein hübscher Gedanke: Gott empfängt Bill Gates. Was würde Gott zum reichsten Menschen der Welt, dem Erfinder von Microsoft, sagen?

Nennt mich einen Idioten, aber ich verstehe den Zusammenhang zwischen „in den Weltraum fliegen“ und „Gott empfängt Bill Gates“ nicht. Hab ich was verpasst? Hat Gott seinen himmlischen Thronsaal auf dem Mond errichtet und ich hab es nicht mitgekriegt?

„Mein Sohn, die 56 Milliarden Dollar auf deinem Privatkonto sind Sünde vor meinen Augen.“ Darauf Gates: „Aber ich spende doch viele Millionen für Impfstoffe in Afrika, meine Frau und ich wollen die Malaria mit unserer Stiftung besiegen“, darauf Gott trocken: „Du musst alles spenden, mein Sohn, bis auf das letzte Hemd.“

Grundsätzliche Frage: Ist Geld auf dem Konto Sünde? Ich wüsste nicht, wo das steht. Natürlich sagt Jesus zum reichen Jüngling (die Perikope liegt wohl zugrunde), er solle alles verschenken und ihm nachfolgen. Aber kann man das wirklich übertragen? Ist Geld auf dem Konto schlecht? Zählt nicht vielmehr, was man damit macht und wie man damit umgeht (Mammon als Götze)? Und spendet Bill Gates nicht tatsächlich sehr viel? Ich möchte ihn ja nicht in Schutz nehmen (weil ich die Politik von Microsoft auch nicht unbedingt gut finde), aber mir kommt es doch so vor, als ob hier aus Neid heraus argumentiert wird. Die folgenden Teile verstärken diesen Eindruck noch:

Gates kleinlaut: „Auch meine Jacht?“ „Auch deine 120 Meter lange Jacht ,Octopus‘.“ „Auch mein Haus?“, fragt Gates. „Auch dein Haus, für das du 60 Millionen Dollar bezahlt hast“, sagt Gott. Gates schluchzend: „Gott, schieb mir doch nicht alle Schuld in die Schuhe, du hast mich so programmiert.“ Gott scherzend: „Ich wollte nur, dass du den PC, den Personal Computer, erfindest und mein Wort www. world wide web. verkündest.“

Mal abgesehen davon, dass ihm die Jacht gar nicht gehört, aber hier wird doch ganz klar Neid geschürt. Bill Gates hat aber seine Milliarden nicht etwa geerbt, er hat eine geniale Erfindung gemacht und sie gut vermarktet. Er hat sein Geld selbst erarbeitet. Ist das verwerflich? Im übrigen hat er auch nicht den PC erfunden, und damit erst recht nicht das Internet, das aber nur am Rande.

Die Besuchszeit ist zu Ende. Gott hat anderes zu tun.

Den Dialog zwischen Gott und Bill Gates habe ich erfunden. Natürlich trifft sich Gott mit niemandem. Auch nicht mit dem reichsten Menschen der Welt. Alles, was ich geschrieben habe, hat sich nicht so zugetragen, was ich schade finde.

Je öfter ich den Kommentar durchlese, um so weniger verstehe ich ihn. Was soll eigentlich damit ausgesagt werden? Gott mag Bill Gates nicht? Und woher soll das jemand wissen? Was wir daraus lesen können ist vielmehr „F. J. Wagner mag Bill Gates nicht“. Aber warum? Weil er mehr Geld hat? Weil er ein 60 Mio.-Haus hat? Vermutlich. Und deswegen sucht sich Wagner eine Autorität, die noch höher ist als die des reichsten Mannes der Welt, nämlich Gott. Damit er einmal den Gates so richtig fertigmachen kann, bis der heult. Anders kann ich mir das alles nicht erklären.

Lieber Herr Wagner, ihrer Argumentation folgend gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen Bill Gates und Ihnen, oder irgendeinem anderen Bild-Leser. Denn auch Ihr gesamtes Geld auf Ihrem Privatkonto ist dann Sünde vor Gottes Augen. Sie müssen es spenden. Alles, bis zum letzten Hemd. Auch Ihr Auto. Und das muss auch jeder andere Mensch auf dieser Welt tun. Oder hat Gott Ihnen die Gabe des Sündenerkennens gegeben? Bei welchem Betrag wird denn aus neutralem Besitz plötzlich böse Sünde?

Sie merken, so einfach ist es nicht. Das finden Sie sicher auch schade…

Deutschland, deine Wurst! [Satire!]

Mittwoch, den 4. April 2007

Was es nicht alles gibt! Heute finde ich die „Familienwurst für Deutschland“ auf Bild.de. In einer groß angelegten Werbeaktion wird das besondere Wurstprodukt von Reinert beworben.

So heißt es bei den Tipps zum Wurst-Einkauf z.B.

Wer sich bewusst ernähren will, muss wissen, was in den Lebensmitteln steckt.

Problem: Für den Verbraucher ist nicht immer leicht zu erkennen, welche Inhaltsstoffe in bestimmten Produkten enthalten sind.

Wow, da wäre ich wohl nie selber draufgekommen. Das wäre doch wirklich toll, wenn man irgendwie feststellen könnte, was drin ist, in der Wurst. Die Inhaltsstoffe auf der Verpackung lesen? Tolle Idee! Aber wer garantiert mir, dass das auch drin ist? Die Lebensmittelgesetze? Der Hersteller? Der Gesundheitsminister? Ist mir auch Wurst – Hauptsache, das tote Tier schmeckt!

In den Details steht dann auf der gleichen Seite zum Thema Inhaltsstoffe:

Welche Teile von welchem Tier wurden verarbeitet?

Muskelfleisch ist besonders hochwertig. Risikomaterial, zum Beispiel Teile vom Rind mit erhöhtem BSE-Risiko (Hirn, Knochenmark) haben in der Wurst nichts zu suchen.

Das ist zuerst einmal nichtssagend. Dass Muskelfleich hochwertig ist, hat mit der Frage nichts zu tun, es steht ja nicht da, dass Muskelfleisch verarbeitet wurde. Welches Tier verarbeitet wurde, steht auch nicht da. Außerdem wird im zweiten Satz der Eindruck erweckt, dass (andere) Wursthersteller BSE-Risikomaterial verwursten. Das ist allerdings gesetzlich verboten! Eine eindeutige Formulierung wäre hier sinnvoll gewesen, aber dann hätte man sich den ganzen Absatz auch sparen können.

Es gibt natürlich auch einen „Promicheck „zum Thema „Familienwurst“. Dort werben ein weniger bekannter Schauspieler und ein vor 10 Jahren erfolgreiches Sportlerehepaar für die tolle Wurst:

Die Leichtathletin und der Tennisspieler sind seit 2005 verheiratet und gerade sind sie zum zweiten Mal Eltern geworden. Ihr Urteil: „So muss eine richtig gute Fleischwurst schmecken. Und bei Reinert weiß man eben, was auf den Tisch kommt.“

Weiß man das? Die Logik erschließt sich nicht sofort, denn schließlich steht wie bereits erwähnt im anderen Artikel, dass man von außen nichts über die Inhaltsstoffe von Würsten sagen kann. Aber Sportler haben ein großes Vertrauen, vor allem, wenn sie dafür bezahlt werden.

Jetzt die Preisfrage: Wo gibt es diese Wurst?
Auf jeder Seite des Familienwurst-Werbekomplexes sind unten die Logos der FamilienwurstfachverkäuferInnenarbeitgeber zu sehen, unter anderem Lidl, Real, Marktkauf und Toom (im Baumarkt?).
Edeka ist nicht dabei… damit ist es keine „Familienedekawurst“, sondern höchstens eine „Novo Familienwurst“ – was aufs Gleiche rauskommt, wenn man Portugiesisch kann.

Mord bleibt Mord?

Donnerstag, den 29. März 2007

Es ist verschiedentlich nachzulesen, dass die freigelassene ehemalige RAF-Terroristin Mohnhaupt gerichtlich verbieten lassen will, von der Presse weiterhin als „Mörderin“ bezeichnet zu werden.

Die Empörung seitens der Bildzeitung ist verständlich, denn in der Tat verjährt Mord nicht und es gibt auch keine Ex-Opfer, wie F. J. Wagner in seinem Kommentar festhält. Allerdings geht er mit dem Satz

Es ist für mich unfassbar, dass in unserem Land eine Mörderin die Chance hat, glücklich zu werden.

für mich definitiv zu weit. Zuerst einmal gilt, dass unser Rechtsstaat jedem Mensch gewisse grundlegende Rechte gibt. Wenn jemand gegen das Gesetz verstösst, wird er bestraft, und zwar nach einheitlichen Regeln. Nach dieser Bestrafung ist er vor dem Gesetz wieder völlig rehabilitiert und soll resozialisiert werden, so wie auch Mohnhaupt. Dabei wird doch davon ausgegangen, dass nach der Bestrafung der Täter wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden will und auch kann. Dieses schließt in der Tat die Chance ein, glücklich zu werden.

Würde man das verweigern, wäre das rechtsstaatliche System pervertiert. Dann gäbe es nämlich Menschen zweiter Klasse, die nicht glücklich werden dürfen.
Es ist zu bedenken: Dies ist nur die theoretische Bedingung, der gesellschaftliche Rahmen. Niemand weiß, wie es in Mohnhaupt aussieht, ob sie bereut, ob ihr Gewissen sie Nachts schlafen lässt, oder nicht. Niemand kann sagen, ob sie jemals wirklich glücklich werden kann, wie auch niemand in irgendeinen anderen Schwerverbrecher schauen kann.

Der Hintergrund für das Vorgehen gegen die Presse ist vielleicht tatsächlich, dass sie einfach nur in Ruhe gelassen werden will… und alles vergessen, um aus ihrem restlichen Leben vielleicht noch irgend etwas Sinnvolles zu machen.

Dies alles soll keineswegs eine Verteidigung oder Verharmlosung ihrer Taten sein. Nein, sie hat viel Böses getan und Leid über viele Menschen gebracht, das sollte nicht vergessen werden. Dennoch hat sie aus Sicht des Rechtsstaates ihre Schuld dafür abgebüßt. Dass sie jetzt diesen „Rechtsstaat“, den sie bekämpft hat, selbst nutzen will, bedeutet doch, dass sie nicht mehr die RAF-Terroristin aus den 70ern ist.

Als Christ weise ich darauf hin, dass die Verbreitung des Christentums in Europa und der Welt mit den Taten eines Mannes beginnt, von dem es in Apg 9,1 heißt, dass er „mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn schnaubte“. Wer der Meinung ist, dass Menschen sich nicht ändern können und lebenslang wegen ihrer Taten von der Gesellschaft ausgestoßen sein sollten, sollte sich mal die Geschichte von Paulus durchlesen. Oder die vom hinterlistigen Mörder David. Oder am Besten die ganze Bibel.

Das Tun der Anderen…

Montag, den 5. März 2007

Bild.de hat gerade folgenden Teaser auf der Startseite: Klima-Schutz. Sollen wir Deutsche die Welt alleine retten? Wir sollen nicht mehr in den Urlaub fliegen! Aber die anderen verpesten weiter die Luft.

Der zugehörige Artikel hat die etwas abgeschwächtere Überschrift „Rette ich wirklich die Erde, wenn ich nicht mehr in den Urlaub fliege?“ und darin heißt es:

Umweltexperten und Spitzenpolitiker aller Parteien plädieren für mehr Urlaub in Deutschland – statt Flugreisen in alle Welt. Im Klartext: Wir sollen auf Mallorca verzichten!

Wir sollen auf Mallorca verzichten! Ich lass das mal so stehen, es kann sich jeder selbst überlegen, warum dort Mallorca steht und wer mit „wir“ gemeint ist.

Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens will Billigflüge sogar ganz verbieten lassen! Ein Hin- und Rückflug auf die Kanaren verursache genauso viel Schadstoffe wie ein Jahr Autofahren.

Greenpeace in allen Ehren, aber ich frage mich, wie das gemeint ist. Hat ein kompletter Flug diesen Schadstoffausstoss? Dann muss man ihn natürlich durch die Anzahl der Passagiere teilen. Und wieviele Kilometer Autofahren sind gemeint? Fragen, die Frau Behrens unter Umständen sogar beantwortet hat… aber die hier nirgends auftauchen.

Ganz im Sinne des Teasers werden dann noch Artikel verlinkt, die sich mit den (bösen) Amis, Russen und Chinesen beschäftigen und ihre Umweltsünden anprangert. Es ist natürlich ärgerlich, dass diese den Umweltschutz nicht so ernst nehmen, aber es ist doch ganz offensichtlich falsch, daraus zu schließen, dass die Deutschen weniger Umweltschutz betreiben brauchen.

Die Haltung „die anderen machen es doch auch“ in der Gesellschaft zu schüren, ist grundfalsch. Das andere falsch handeln, darf kein Grund sein, dass man selbst nicht das Richtige tut. Es ist natürlich in diesem konkreten Fall die Frage, was das Richtige ist und wie man blindem Aktionismus vorbeugen kann. Aber der Tenor dieser Berichterstattung über das Klimaproblem bei der Bildzeitung schürt den Trotz gegenüber den Politikern auf Basis des Neids auf andere, die sich weniger Gedanken zur Umwelt machen und damit auch weniger Einschränkungen haben (billiger Sprit etc.). Eine vernünftige(!) Umweltpolitik wird durch solch eine Haltung verhindert.

BILD und der kleine Dschihad

Dienstag, den 27. Februar 2007

Eine Welle der Empörung geht durch Deutschland, denn wie die Bildzeitung berichtet (Islamist darf sein Kind „Heiliger Krieg“ nennen) hat ein „Islamist“ sein Kind nach einem Verfahren „Dschihad“ nennen dürfen.

Ganzen Artikel lesen…

Dumping-Profis

Montag, den 26. Februar 2007

Im Blog von Daniel Große habe ich einen Beitrag über das neue Portal der Bildzeitung gefunden: Profis.de.

In der Beschreibung der Seite heißt es:

Auf unserem Online-Marktplatz sind Sie genau richtig, wenn Sie Ihren optimalen Dienstleister finden wollen.

Und der optimale Dienstleister ist nicht etwa der beste, sondern natürlich der billigste, denn Geiz ist geil. Am Besten verdeutlichen lässt sich das mit dem Malergebot, dass auch Daniel Große schon zitiert. Das Angebot von „Michael“ umfasst das Streichen von zwei Räumen in Wischtechnik – angepeilter Preis: 100 € (!). Das alleine wäre schon lustig, aber das wirklich witzige ist die Diskussion, die über den Preis entbrannt ist. Ein Malermeister hat nämlich gefragt, ob der Auftraggeber nicht eine Null vergessen hat. Darauf dieser:

Guten Tag MalerSander, ich frage mich, ob sie noch ganz bei Trost sind. Wenn sie für diesen Auftrag eher 1.000,-€uro als realistisch ansehen, haben sie meines Erachtens auf dieser Seite überhaupt nichts verloren.

Und etwas weiter unten:

Ich poltere nicht los, aber ich bin nicht ihrer Meinung, das gute Qualität zwingend einen hohen Preis erfordert. Ich denke das System der Discounter wie z.B. Aldi zeigt, dass es auch gute Qualität für weniger Geld geben kann.

Richtig. Aber selbst wenn man jetzt annimmt, dass die Qualität von Aldi-Fleisch genauso gut ist wie beim Metzger um die Ecke: Das Discounter-Prinzip ist doch ein völlig anderes System. Die Produkte sind deswegen so billig, weil die Einkaufsmenge so groß ist. Das soll mir mal einer erklären, wie das bei Malerarbeiten funktionieren soll (selbst wenn man das Finanzamt außen vor lässt).

Der Auftraggeber verweist dann noch auf MyHammer.de, wo solche Preise angeblich Standard sind. Dies führt aber zu einem klaren Antwort von Maler Sander:

[…] die Seite My Hammer ist ein Tummel und Spielplatz für Schwarzarbeiter, die auch bei Ihnen nicht für 100,- € eine Wischtechnik ausführen.

Da hat er wohl recht. Aber das interessiert den Auftraggeber wohl kaum, denn schließlich will er ja das optimale Angebot – und das sind 100 €. Darauf kann er aber wohl lange warten…

Ich frage mich, was für Vorstellungen solche Leute haben. Sind die alle von Bildzeitungs-Propaganda wie „Die Abzock-Tricks der Handwerker“ und „Volks-Produkten“ indoktriniert worden?
Man kann doch nicht völlig unwirtschaftlich für Dumpingpreise arbeiten lassen und sich dann aber beschweren, wenn man selbst keine realistischen Preise mehr bekommt oder Arbeitplätze in Billiglohnländer abwandern. Dahinter steckt nämlich genau dieses System, das auf Qualität keinen Wert legt, solange der Preis stimmt. Dass eine solche Denkweise auf Dauer der deutschen Wirtschaft nur schaden kann, ist offensichtlich.

Ich schließe mit den Worten von „mannfuerallefaelle“:

solche sklavenähnlichen und auf schwarzarbeit ausgerichtete angebote, sollten eigentlich bestraft werden.

Zum Sch…. schreien

Montag, den 29. Januar 2007

Wir erinnern uns, dass die Bildzeitung kürzlich schrieb:

Mit seiner beleidigenden Fäkalsprache löst Bohlen einen Sturm der Empörung aus. Politiker und Kirchenvertreter sind entsetzt.

[…]

Der stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Bischof Christoph Kähler:
[…] „Beleidigungen können zu schweren persönlichen Verletzungen führen.“

[…]

Bundestagsabgeordnete Rita Pawelski (CDU), Kultur- und Medienexpertin: „Ich habe wegen der Primitivität von Dieter Bohlen abgeschaltet. Seine Bemerkungen gehen unter die Gürtellinie und haben im Fernsehen nichts verloren.“

Heute lese ich auf Bild.de unter der Überschrift „Gegen Nervbolzen und blöde Anmache: Gekonnt kontern – die 50 coolsten Sprüche„:

Als praktische Hilfe für fast alle Lebenslagen: Bei Attacken auf die Figur oder die Freunde. Oder wenn Dauer-Nörgler wieder gnadenlos rumpesten.

Einige Beispiele:

Habt ihr kein Klo zu Hause – oder warum lässt du deine ganze Scheiße hier ab?

Hat jemand die Klospülung gezogen – oder warum blubberst du hier so?

Als der liebe Gott die Intelligenz verteilt hat, warst du wohl gerade auf dem Klo

Hast irgendjemand die Null gewählt, dass du dich meldest?

Wo ich dich so sehe… Da fällt mir ein, dass ich den Müll noch runter tragen muss!

Willst du wissen, wie bescheuerte Kinder gemacht werden? Frag‘ deinen Vater!

Ist heute ein besonderer Tag – oder bist du immer so blöd?

Mal abgesehen, dass diese Sprüche schon deswegen nicht cool sind, weil ich sie zum Teil schon in der Grundschule kannte, aber wie war das doch noch mit den Beleidigungen? Sie können zu schweren persönlichen Verletzungen führen? Aber das gilt doch wohl nicht für „Dauer-Nörgler“, „muffige Nachbarn“ oder die „zickige Kollegin“, oder?

Was mich noch mehr beunruhigt ist, dass es tatsächlich Leute bei der Bildzeitung gibt, die für sowas bezahlt werden:

Wir haben mal im Web gestöbert und eine ganze Menge solcher Retourkutschen gefunden.

Es wäre wahrscheinlich schneller gegangen, wenn man ein paar Grundschulkinder gefragt hätte. Das ist etwa dasselbe Niveau…

Das ist doch nur ein Casting…

Sonntag, den 21. Januar 2007

Jetzt wissen wir es dank Bildzeitung endlich „offiziell“: So werden die Zuschauer getäuscht!

Was den Zuschauern bisher verschwiegen wurde: Bevor ein Kandidat überhaupt vor die Jury mit Dieter Bohlen, Anja Lukaseder und Heinz Henn treten darf, muss er ein sogenanntes Pre-Casting (das Casting vor dem Casting) bestehen. Doch da geht es oft nicht um Stimme – es werden bewusst Kandidaten weitergeschickt, die kaum einen Ton treffen, an denen sich die Jury aber mit gemeinen Sprüchen austoben kann.

So wirklich neu ist das ja nicht… das hätte sich jeder halbwegs vernünftige Mensch auch selbst denken können.

Auch Jessy-Bruce Triplett-Arestirado (26) versuchte sein Glück und musste ebenfalls durch das Pre-Casting. „Mir wurde gesagt, dass ich in der Sendung am nächsten Tag bloß nichts von dieser Vorauswahl verraten sollte.“

Als ob die Jury das nicht wüsste… das ist echte Kandidatenverarschung.

Für Andreas Röming (19) war es einfach eine coole Show. Der Münchener sang erst gar nicht, sondern strippte zur mitgebrachten CD in einem schrägen Kimono-Outfit.

„Ich habe den Auftritt beim Pre-Casting schon gemacht und damit war auch klar, dass ich weiterkomme“, erzählt er. „Der Produzent ist gleich danach zu mir gekommen und sagte: ‚Hey, genau so machst du deinen Auftritt morgen auch wieder.‘ “ Andreas erklärte ihm, dass er aber gar nicht singen kann. „Doch ich sollte gar nicht singen, ich sollte nur strippen.“

Was hab ich gesagt? Der Stripper war ein Fake-Kandidat!!!! Ich habs gewusst…
Und was sagt RTL?

Sendersprecher Christian Körner: „Die Jury kann sich nicht 30 000 Kandidaten persönlich angucken. Und skurrile Kandidaten kommen durchs Pre-Casting, weil es auch in der vierten Staffel von ,DSDS‘ Teil des Konzepts ist, sowohl tolle Stimmen als auch witzige oder skurrile Castingszenen zu zeigen.“

Alles klar! Aber dann nennt es nicht „Deutschland sucht den Superstar“ sondern „Bohlen beleidigt Möchtegernstars“… Selbst schuld, wer da noch mitmacht.

Ungeklärte Verhältnisse

Samstag, den 20. Januar 2007

Wir erinnern uns, dass die Bildzeitung reißerisch über die Affäre Seehofers berichtet hat (siehe dazu auch Bildblog.de).

Da die Geschichte nach der vielen Kritik und den neueren Entwicklungen etwas in den Hintergrund gerückt ist, versucht Bild, es anzusprechen, wo es nur geht.

Im Artikel „Seehofer kämpft weiter um Parteivorsitz“ heißt es:

Seehofer tourte gestern über die „Grüne Woche“ in Berlin. Am Rande sagte er zu BILD: „Eine einvernehmliche Lösung wäre immer besser.“ […]

Schaden ihm seine ungeklärten privaten Verhältnisse?

Seehofer: „Ich glaube nicht.“

Er „tourte“. Das klingt, als ob Seehofer nur auf der „Grünen Woche“ war, um Wahlkampf zu machen. Dass er als Bundeslandwirtschaftsminister das Ding eröffnet hat, stand dort natürlich nicht.

Fast die gleiche Frage nach den (nach Meinung der Bildzeitung) ungeklärten Verhältnissen stellt Bild auch Günther Beckstein im Interview.

BILD: Ist Seehofers ungeklärte private Situation ein Handicap?

Beckstein: Nein. Diese Fragen dürfen heute keine Rolle mehr spielen. In meinem Glauben ist ganz wichtig, dass man Fehler und Sünden vergeben bekommt. Und ich bin sicher, dass er selbst eine Klärung herbeiführen wird.

Gute Antwort. Daran sollten sich die Papstfreunde von der Bildzeitung mal ein Beispiel nehmen. Für die Bildzeitung bedeutet Vergebung vermutlich gut katholisch eine vorhergehende Buße (und zwar öffentlich, damit man sie ausschlachten kann!)… das hat Protestant Beckstein aber sich nicht gemeint.

Und was Beckstein auch nicht sagt, ist, dass Seehofer zur Klärung sicher nicht mit der Bildzeitung reden wird. Das ist zumindest zu empfehlen…